Bistum Eichstätt

Einige Bemerkungen zu den Hexenprozessen im Hochstift Eichstätt, das heute zu Oberbayern gehört. Das ganze Kapitel der Hexenverfolgungen in Eichstätt, die dort sehr grausam und umfangreich waren, ist noch nicht geschrieben. Derzeit liegt eine größere Arbeit in Englisch vor: Jonathan Durrant, Witchcraft. Gender and Society in promodern Germany. [1]

 

Die ersten Prozesse wegen Hexerei und Zauberei werden ab 1411, weitere ab 1417 vermerkt.

Eine Generalinstruktion “zur Ausrottung des hochsträflichen Lasters der Zauberei und des Hexenwerks” wurde 1593 am 12. Oktober erlassen. Danach waren jeder Einwohner und jede Einwohnerin verpflichtet, bei Vermutungen in dieser Hinsicht sofort Anzeige zu erstatten. Weitere Hexenmandate folgten 1626 bis sogar 1696.

 

64 Unholde wurden 1590 innerhalb von fünf Monaten in Eichstätt hingerichtet, 1611 waren es sogar 70 in Wemding.

 

1617-1630 regierte der Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten, der ein unerbittlicher Hexenverfolger war und dem mindestens 274 Hinrichtungen, zu denen Akten noch vorhanden sind, anzulasten sind. Er hatte bereits vorher in Ellwangen zahlreiche Unschuldige wegen Hexerei - Verdacht brennen lassen. 1588 waren es bereits 20 Opfer.

Westerstetten richtete eine eigen Hexenkommission ein, die direkt dem Fürstbischof unterstand. „Forderungen aus der Bevölkerung nach einschlägigen Prozesses sind kaum nachweisbar, vielmehr scheinen sich die Familieangehörigen so weit wie möglich um die Inhaftierten gekümmert zu haben. Das spricht gegen eine weitverbreitete und tief sitzende Hexenfurcht.“ [2]

 

1617 werden 24 Frauen in Eichstätt, darunter die Bürgermeisterin Mayerin, die Großbeckin, die Gemeindehäuslerin verhört und hingerichtet.

1624 waren es vierzehn, 1626 ebenfalls vierzehn und 1629 sieben Personen, die uns namentlich bekannt sind.

Johann Reichardt, kath. Stadtpfarrer am Spital, wurde 1624 verhaftet, und 20 Jahre lang immer wieder gefoltert und in der Haft behalten.

Die Verfolgungen zogen sich bis 1637 hin.

 

Die meisten der Verhafteten stammten aus Eichstätt selbst, andere aus Landershofen, Pietenfeld, Wasserzell und Herrieden. Fast alle wurden hingerichtet, es scheint nur ein 7 ½ jähriges Mädchen freigekommen zu sein. Als Orte der Sabbattreffen werden in den Protokollen z.B. genannt: der Kugelberg, die Schottenwiese, hinter der langen weißen Mauer, auf dem Petersberg, Berching und auf der Dompropstei.

 

Das Geständnis des Kastners Johann Gebhardt ist transscribiert und erscheint eigenwillig und bemerkenswert. Zu den üblichen Fragen versucht er Antworten zu geben, die ihn zwar vor weiterer Folter schützen, aber keinen Tatbestand im Sinne des Schadenszaubers gemäß der Carolina erfüllen. Phantastereien, wie Verwandlung in Tiere, lehnt er ab.

 

In 154 Prozessen wurden in Eichstätt Hunderte von Verdächtigen festgenommen und gefoltert, wie viele von ihnen hingerichtet wurden, ist noch nicht korrekt erforscht. Bei der Durchsicht der Prozeßakten fällt auf, daß sehr viele, nämlich bis zu 226 Besagungen in den Verhören zu Protokoll gegeben wurden. Ganze Listen von Namen sind vermerkt. Außerdem wurde in Eichstätt festgelegt, daß bereits bei zweimaliger Nennung eines Namens diese Person verhaftet und ohne Weiteres befragt und gefoltert werden konnte. Damit haben die Prozesse ungeheure Ausmaße angenommen. Die Akten liegen büschelweise ungelesen im Staatsarchiv Nürnberg.

 

Ein eigenes, ganz abgegriffenes Heftchen mit 78 Verhörfragen befindet sich unter den Akten. [3]

 

 

Unerwünscht

 

In der Stadt Eichstätt sollte am 21.6.2001 die Tafelausstellung Hexenverfolgung in Franken eröffnet werden. Der Entleiher, der Leiter der VHS der Stadt Eichstätt Johannes Kraus hatte bereits den Leihvertrag unterschrieben. Dann wurde alles kurzfristig mit einem fadenscheinigen Grund, abgesagt. Offensichtlich hat hier die Geistlichkeit Einspruch erhoben. Bis heute haben sich die Diözese und die Stadt nicht zu diesem belastenden Erbe bekannt oder versucht, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Eichstätt gehört heute zu Oberbayern. [4]

 

Weitere Ablehnungen, die Tafelausstellung zu zeigen, kamen aus der Stadt Coburg, aus Bayreuth (der Uni-Professor Peter Segal wollte nicht) aus Dinkelsbühl und aus dem Haus der Bayerischen Geschichte, das zunächst zugesagt hatte, dieses Thema ausführlich in der geplanten Ausstellung zum Thema Frauen in Bayerns Geschichte in Ingolstadt zu behandeln. Daraus wurde nichts. In der Stadt Lauf Nürnberg Land erhielt ich eine Ablehnung, weil das dem Industriemuseum (Leiterin N. N.) zu viel Arbeit mache . Die Gleichstellungsbeauftragte hatte sich dafür eingesetzt. In Altdorf versuchte eine Frauengruppe lange und ergebnislos einen Raum für die Ausstellung zu erhalten. Der Bürgermeister zeigte kein Interesse und ermöglichte dies nicht.

 

 

Die ersten Namen der über 400 Verurteilten [5]

 

  • Adelmännin Barbara, Kramerin, Eichstätt, 1619 hingerichtet
  • Adelmann Kasper, Ratsherr und Handelsmann, Eichstätt, 1622 hingerichtet
  • Adelmann Caspar, Eichstätt, 1622 hingerichtet
  • Alacrain Barbara, Witwe des Klosterrichters aus Rebdorf, Eichstätt, 1624 hingerichtet
  • Ammersteein, gen. die Schottnerin, Walburga, Eichstätt, 1622 hingerichtet
  • Apodekerin, gen. Stophlin, Barbara, Eichstätt, 1626 hingerichtet
  • Apodekerin, Barbara, Hofmetzgerin, Eichstätt, 1620 hingerichtet
  • Apodekerin, Eva, Metzgerin, Eichstätt, 1624 hingerichtet
  • Arbin Anna, Beckens Weib, Eichstätt, 1626 hingerichtet
  • Ardigin Anna, Eichstätt, 1618 hingerichtet
  • Auermayting Margaretha, gen. die Bocks Wolfim, Eichstätt, 1624 hingerichtet
  • Aunbeckin Anna, Weißgerberin, Eichstätt, 1628 verbrannt
  • Aunsfelderin Magdalena, gen. die Hientzin, Eichstätt, 1628 hingerichtet
  • Bauer Hans, Bierbrauer, Eichstätt, 1620 hingerichtet
  • Beckin Anna, Eichstätt, 1618 hingerichtet
  • Beckin Margaretha, Eichstätt, zwischen 1603 und 1608 hingerichtet
  • Behainin Annamaria, Eichstätt, 1629 hingerichtet
  • Beittler, Eichstätt, o.J., hingerichtet
  • Bittlemayrin Margareta, gen. die Neuburgerin, Eichstätt, 1626 verbrannt,  ihrMann war der erste Stadtschreiber
  • Bleibeckin Maria, Eichstätt, 1620, Weiteres unbekannt
  • Bognerin Ursula, Pfaffenköchin, Eichstätt, 1627 hingerichtet
  • Bonschabin Anna, gen. die Rühlsbäuerin, Eichstätt, 1617 hingerichtet
  • Bonschabin, gen. die Gräzl, Bierbrauerin, Eichstätt, 1620 hingerichtet
  • Bonschabin Kunigunda, Bäckermeisterin, Eichstätt, 1618 hingerichtet
  • Bonschab Lorenz, Bürgermeister, Gastwirt am Roßmarkt, Eichstätt,1627 hingerichtet
  • Bonschabin Margaretha, Eichstätt, 1624 hingerichtet
  • Bonschabin Ursula, Bürgermeisterin, Eichstätt, 1627 hingerichtet
  • Brandtlin Veronika, Eichstätt, 1630 hingerichtet
  • Bronerin Maria, Eichstätt, 1627 hingerichtet
  • Bruckenmairin, Eichstätt, zwischen 1603 und 1612 hingerichtet
  • Bruederin Anna, Eichstätt, 1620, nichts Weiteres bekannt
  • Bülerin Anna, Eichstätt, 1618 hingerichtet
  • Closen Michel, Eichstätt, vor Juli 1630 hingerichtet
  • Creisingerin Magdalena, gewesene Mittermüllerin, Eichstätt, 1623 hingerichtet
  • Danner Paulus, Eichstätt, 1618 hingerichtet
  • Daschnerin Margaretha aus Plankstetten, Eichstätt, 1623 hingerichtet
  • Dauming Margaretha, Eichstätt, 1603 bis 1608 hingerichtet
  • Dennerlin Anna, Eichstätt, 1612 oder 1613 hingerichtet
  • Dethin Elisabetha, Eichstätt, 1620 hingerichtet
  • Deuscherin Walburga, Büchsenmacherin, Eichstätt, 1623 hingerichtet
  • Dolinhauer Eugliosina, o.J., hingerichtet
  • Eckhardin Sabina, Eichstätt, 1623 hingerichtet
  • Ehrenfriedin Barbara, Zinngießerin, Eichstätt, 1619 - 1620 hingerichtet
  • Erbin Anna, Eichstätt, 1626 hingerichtet
  • Erbin, Eichstätt, 1620 oder früher hingerichtet
  • Erla Barbara, Weißgebers Weib, Eichstätt, 1621 immer noch beteuert für ihr Unschuld, 1622 noch in Haft
  • Fackhelmayrin Anna, Heckenwirtin, Eichstätt, 1617 hingerichtet
  • Fehinerin Kunigunde, Eichstätt, 1630 hingerichtet
  • ...

 

Dies sind, alphabetisch geordnet, die ersten Namen der über 426 in Eichstätt als Hexen und Hexer verhafteten und hingerichteten Personen. Viele sind uns nicht namentlich bekannt, von vielen sind die Akten noch ungelesen im Staatsarchiv Nürnberg aufgehoben.

Die meisten der Hingerichteten wurden mehrfach gefoltert mit Rutenschlagen, mit den Daumen- und Beinschrauben, mit Aufziehen und haben dann gestanden.

Einige haben nicht gestanden. Was aus ihnen geworden ist, wissen wir nicht. Mehrfach ist vermerkt, daß sie gnadenhalber vor dem Verbrennen erdrosselt oder mit dem Schwert gerichtet wurden.

 

Es wird auch deutlich, daß immer nach dem gleichen Fragenschema vorgegangen wurde und in den Folterungen weit über 100 andere Personen von einer Person denunziert wurden.

Es wurde wohl kaum jemand aus der Haft entlassen.

In Eichstätt gab es, wie in Gerolzhofen, einen eigenen Brennofen, in dem die zuvor Getöteten als Leichen verbrannt wurden, wohl um Brennholz zu sparen.

Unter dem Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten (1611-1637) wurden die Hexenverfolgungen besonders hart durchgeführt. In dieser Zeit wurden auch mehrere katholische Kleriker, die von den Gefolterten besagt worden waren, verhaftet.

 

Der Fürstbischof veröffentlichet einen besonderen Erlaß, den die Räte anerkennen mußten. Er besagte, daß gegen die in der Folter nur zwei mal Besagten sogleich ein Verfahren eröffnet werden solle. Dadurch nahm die Verfolgung ungeheure Ausmaße an. Namen Hingerichteter oder Verstorbener durften nicht genannt werden.

 

 

Der Stadtpfarrer Johann Reichardt

 

Im September 1624 wurde der katholische Stadtpfarrer im Spital Johann Reichardt, dessen Mutter 1609 als Hexe verbrannt worden war, festgesetzt und der Unzucht mit seiner Köchin und deren Tochter beschuldigt. Er war mehrfach besagt worden. Er wurde mehrfach schonend gefoltert, - für Geistliche gab es leichtere Foltervorschriften – Er gestand die Unzucht mit der Pfarrköchin, aber nicht die Blutschande mit der Tochter seiner Köchin.

 

In den 30 Verhören, die nun im Laufe der Zeit folgten,  wurde er dreimal mit Aufziehen “ohne Erschwernis” belegt. Seine Stieftochter Johanna Hötzler sowie seine Haushälterin und ebenso seine Mutter und sein Bruder waren inzwischen als Hexen hingerichtet worden.

1625 wurde verfügt, daß die Kleriker nicht anders zu behandeln seien als die Laien. Sie sollten die gleiche Folter erdulden, aber nur auf den besonderen Befehl des Bischofs sollten sie von Laien gefoltert werden. Bisher hatten die Verhandlungen Kleriker geführt.

 

In Eichstätt wurden mehrfach Kleriker von verhafteten Frauen und Männern als Hexenmeister bezichtigt. Die meisten wurden aber schonend verhört und wieder freigelassen. Reichardt bildete eine Ausnahme, weil er in der Haft verblieb und nach 20 Jahren am 20. 11. 1644 mit 67 Jahren dort verstarb. Sein „Restvermögen“, immer noch 1.000 fl., wurde dem Jesuitenkolleg in Eichstätt übereignet.

 

Der Fall Reichardt ist deswegen bemerkenswert, weil es um das theologische Problem ging, wie man mit den Kindern zu verfahren habe, die von einem Hexenmeister getauft worden waren. Es gab eine eigene Kommission, die dem Pfarrer einen Kompromissvorschlag machte. Reichardt allerdings blieb bei seiner Leugnung mit der Begründung, er könne nicht gegen sein Gewissen aussagen.

 

In Eichstätt wurde vom Domprediger und Jesuiten Joachim Megglin mehrfach gegen Zauberer und Hexen gepredigt. [6]

 

 

 


Quellen dieser Seite:

[1]   Für diesen Hinweis danke ich Frau Dr. Rita Voltmer

[2]   Voltmer, 2011, 163.

[3]   Nach Durchsicht der Akten im  StAA N und nach: Michael Bacherler, Über Eichstätter Hexenprozesse, in: Beilage zu: Heimgarten. Eichstätter Volkszeitung, 1929, fünf Folgen.

[4]   Dort wurde m. E. noch keine Ausstellung zum Thema Hexenverfolgung gezeigt. Lediglich die Veröffentlichung von Wolfgang Behringer, Hexenverfolgung in Bayern, die in Teilen erweitert werden müsste, ist 1997 erschienen.

[5]   Kartei des Hexensonderkommandos 1941, Bundesarchiv Frankfurt, Außenstelle N.1 668.

[6]   Harald Schwillus, Kleriker im Hexenprozeß ..., 1992.